Newsletter № 176
09.02.2026
I.
Im Dickicht der Negativ-Schlagzeilen zum Thema Flucht und Migration gibt es immer wieder mal einen kleinen Lichtblick, wie z.B. die Meldung über die Pläne der spanischen Regierung, den Aufenthaltsstatus einer halben Million Immigrant_innen ohne gültige Papiere zu legalisieren. Viele Medien haben darüber berichtet, z.B. der Spiegel. Der Standard hat sogar das Wort „Massenlegalisierung“ gebraucht – ein ungewöhnliches Wort, denn der Wortteil „Massen-“ steht häufig am Anfang eines schlimmen Wortes (Massentierhaltung, Massenvernichtungswaffen, Massendeportationen etc.). Spanien verfolgt damit innerhalb Europas einen ganz eigenen Kurs, stimmt nicht in die von Rechtsaußen geschürte Hetze ein, sondern geht einen Weg der Vernunft: „Migration ist kein Problem, sondern eine Notwendigkeit“ (Ministerpräsident Pedro Sánchez).
Schockierend jedoch das Bootsunglück vor der griechischen Insel Chios, bei dem mindestens 15 Migrant_innen gestorben sind. Auslöser war die Kollision mit einem Patrouillenboot der griechischen Küstenwache, wodurch mehrere Menschen ins Meer stürzten. Die Ursache der Kollision ist zwar derzeit noch ungeklärt, aber es ist nichts Neues, dass die griechische Küstenwache immer wieder Flüchtlingsboote mit voller Absicht rammt – entsprechendes Videomaterial ist uns von Doro Blancke zur Verfügung gestellt worden.
Die Liste der dokumentierten Todesfälle auf der Flucht nach Europa, die von UNITED for Intercultural Action laufend aktualisiert wird, ist erschreckend lange: Von 1993 bis Mitte 2025 sind 66.519 Menschen bei der Durchquerung der Sahara, auf Booten im Mittelmeer bzw. Atlantik oder auf anderen Routen wie z.B. der Balkanroute ums Leben gekommen. Dazu kommen noch zehntausende nicht dokumentierte Todesfälle. Die „Festung Europa“ ist eine Schande!
Zum Glück gibt es aber auch erfreuliche Ereignisse, z.B. vorgestern in Innsbruck: Zur Demo „Grenzen töten“ sind über 1.000 Menschen – größtenteils sehr junge Leute – auf die Straße und zur anschließenden Podiumsdiskussion gegangen. Die ganze Veranstaltung ist friedlich und ohne Zwischenfälle verlaufen, und es macht Mut, dass sich so viele junge Menschen für dieses Thema engagieren!
II.
Am 02.03.2026 wird im „Kulturbogen55“ in Innsbruck eine hochkarätige Veranstaltung stattfinden: ÖH und SOS Balkanroute laden zu einem spannenden Abend mit Franziska Grillmeier und Anja Troelenberg, die unter dem Titel „Border Business“ über das Geschäft mit Europas Grenzen berichten werden (Details am Flyer im Anhang).
Für Menschen, die nicht nach Innsbruck anreisen können, lohnt sich ein Blick in unser Medien-Archiv. Dort kann man die 4-teilige Reportage von Franziska Grillmeier und Anja Troelenberg nachhören, die Ö1 im November unter demselben Titel gesendet hat.
III.
Zum Abschluss empfehlen wir die Lektüre des aktuellen Newsletters unserer Partnerorganisation Karawane der Menschlichkeit, in dem über die Projekte berichtet wird, die die burgenländische NGO im Jahr 2025 umgesetzt hat.
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