Vernetzungsplattform zum Thema Flucht

Newsletter № 181
01.07.2026


I.

Papst Leo XIV. hat im Juni die Kanarischen Inseln besucht und am 11.06.2026 auf Gran Canaria eine bemerkenswerte Rede gehalten, in der er sich direkt an die Migrant_innen wendet, die dort tagtäglich landen, und in der er auch sehr deutliche Worte an Europa richtet:

„Dieses Drama muss zu einer Gewissensprüfung werden (...) für Europa, das nicht die Menschenwürde proklamieren kann und sich dabei nicht daran gewöhnen darf, dass das Mittelmeer und der Atlantik zu Friedhöfen ohne Grabsteine werden.“

„Es reicht nicht aus, Ankünfte zu verwalten, Zahlen zu verteilen, Grenzen verstärkt zu sichern oder Todesfälle zu beklagen, wenn sie bereits eingetreten sind. Jedes Boot, das ankommt, bringt nicht nur Migranten mit sich; es bringt eine Frage mit sich: Welche Welt haben wir geschaffen, wenn so viele Brüder und Schwestern den Tod riskieren müssen, um Leben zu suchen?“

„Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, Tote zu zählen. Die Menschenwürde hat keinen Reisepass und verliert ihren Wert beim Überqueren einer Grenze nicht.“

Der volle Wortlaut der päpstlichen Rede kann in unserem Medien-Archiv (11.06.2026) heruntergeladen werden.


II.

Unsere langjährige Kooperationspartnerin Doro Blancke, die seit sechs Jahren an der EU-Außengrenze auf Lesbos arbeitet, hat unter dem Eindruck des kürzlich in Kraft getretenen „Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS)“ in einem Brief an befreundete Organisationen sehr ausführlich ihre „Gedanken, Fakten und Emotionen“ zu diesem Thema zusammengetragen, z.B. über die sog. „Return Hubs“, die sie schlicht Gefängnisse nennt.

Doros Brief ist sehr lang (8 Seiten) und liegt diesem Newsletter in PDF-Form bei. Für diejenigen, die es nicht schaffen, ihn in ganzer Länge zu lesen, seien die zusammenfassenden Gedanken auf Seite 6 empfohlen.


III.

Bis 10. Juli können sich Studierende noch für eine Studienreise an die EU-Außengrenzen nach Bosnien-Herzegowina anmelden. Diese Reise findet 20.–27.09.2026 statt und wird von unserer Partnerorganisation SOS Balkanroute gemeinsam mit der Österreichischen Hochschüler_innenschaft veranstaltet.

Das Ziel der Reise ist, Einblicke über die Menschenrechtsverletzungen an den EU-Außengrenzen zu gewinnen, die Folgen der menschenfeindlichen EU-Asylpolitik zu beleuchten, sowie lokale Hilfsstrukturen und Initiativen kennenzulernen. Ebenso befasst sich die Reise mit der nahen Vergangenheit und dem Krieg in Bosnien-Herzegowina, unter anderem im Rahmen von Gesprächen mit Zeitzeug_innen und dem Besuch des Srebrenica Memorial Centers.


IV.

Doris Ansah Acquah, SSWN-Unterstützerin der ersten Stunde, hat uns auf den Peacewalk 2026 hingewiesen, der 8.500 km lange Friedenspilgerweg nach Jerusalem, der von Ende Juni bis Anfang August quer durch Österreich führt. Am 04.07.2026 kommt der Peacewalk nach Innsbruck und wird – nach einem Tag Pause – am 06.07.2026 in Richtung Osten fortgesetzt. Einen Monat später, am 06.08.2026, wird der Peacewalk Wien erreichen.

Eine Übersicht über alle Routen, die im Oktober 2026 in Sarajevo zusammengeführt werden und im Mai 2027 in Jerusalem enden sollen, findet sich hier: https://peacewalk.info/routes/

Zentrale Figuren der Initiative sind u.a. der Israeli Maoz Inon und der Palästinenser Aziz Abu Sarah. Beide verloren nahe Angehörige im Nahostkonflikt und engagieren sich heute gemeinsam für Versöhnung und gewaltfreie Konfliktlösung.


V.

Der Freundeskreis SisAL (Sistrans Aldrans Lans) feiert sein 10-jähriges Bestehen, u.a. mit einem großen Sommerfest am 07.07.2026 (s. beil. Flyer) und einem Vortrag von Franz Fischler am 22.10.2026. Der ehem. EU-Kommissar und ÖVP-Politiker ohne türkise Einfärbung war der erste Prominente, der sich 2020 auf die Liste der SSWN-Unterstützer_innen setzen hat lassen – für uns damals (mitten im ersten Lockdown) ein Wendepunkt, der uns bestärkt hat, mit unserem Projekt richtig durchzustarten.


Anhänge:

Gedanken von Lesbos_June26.pdf

SisAL-Sommerfest.pdf